Der Reibebaum

Aus der Werkstatt-Gazette No. 13

Katrin Moser und Verena Fink - 05.07.2014

Der Reibebaum

Oder: Was machen Elefanten wenn es sie juckt?

 

Wenn Elefanten sich kratzen müssen, können sie nicht wie wir Menschen auf Hände und Finger zurückgreifen. Auch der Rüssel dient ihnen nicht dafür. Und so suchen sie sich einen "Reibebaum" an dem sie sich reiben und kratzen und so für ihr Wohlbefinden sorgen können.

Elefanten die in Tierparks leben, bekommen vom Zoo einen solchen Reibebaum in ihr Gehege gestellt. Viele Tierparks stehen vor der Schwierigkeit, einen Baum zu finden oder zu installieren, der dem Elefanten als Reibebaum dienen kann. Schwierigkeit daher, da der Baum stärker sein muss als es ein Elefant ist, wenn er sich an diesem Baum reibt.

 

Ein wunderschönes Bild für unsere Arbeit als Erwachsene in der Begleitung und Erziehung unserer Kinder:

Wir müssen für sie das sein, was der Baum für den Elefanten ist. Wir müssen stärker sein als sie und wenn sie sich uns entgegenstellen und sie sich nicht wohlfühlen weil etwas nicht stimmt, müssen sie sich an uns reiben dürfen ohne dass wir umfallen. Sie sollten sogar versuchen dürfen uns umzuwerfen, und wir müssen stehen bleiben.

 

Wie der Elefant sein Wohlbefinden von einem starken Reibebaum abhängig macht, so machen Kinder ihr Wohlbefinden und vor allem ihre Sicherheit davon abhängig, ob wir ihnen standhalten und nicht umfallen.

 

Wenn der Elefant in seinem Tierpark keinen adäquaten Baum zur Verfügung gestellt bekommt, wird er leiden.

Bekommen Kinder kein adäquates, kein starkes Gegenüber, so werden auch sie leiden – weil sie sich nicht sicher genug - nicht gehalten - fühlen.

 

Zum Glück juckt es den Elefanten nicht immer. Zum Glück wollen Kinder nicht immer wissen, ob wir ihnen standhalten – und so gibt es auch Zeiten, in denen sich Bäume und Erwachsene auch erholen und selbst einmal schwach und anlehnungsbedürftig fühlen können…