Jahresausstellung 2013

"Wertstoffinseln - Übergänge von Müll zu Kunst"

Warum eine solche Ausstellung in der Kinderwerkstatt?

 

Schon lange lebt die Arbeit in der Kinderwerkstatt nicht nur von hochwertigen Materialien wie Ton, Holz, Farben, Speckstein, Leinwänden, sondern auch von gesammelten Dingen, die sonst in den Müll gewandert wären: Korken, von Großeltern liebevoll gewaschene Kirchkerne, von Eltern mitgebrachte kaputte Dinge „die vielleicht noch zum Verbauen geeignet sind“, sowie Plastikschalen oder Zeitung als Unterlage beim Bemalen.

Schon lange freuen wir uns über diese „Mitbringsel“, nicht nur weil wir sie brauchen können, sondern weil sie implizieren, dass die Kinderwerkstatt festen Einzug in den Alltag der Kinder gefunden hat.

 

Zugleich müssen wir alle ein immer größeres Müllaufkommen bei einem normalen Einkauf, Verschwendung von Materialien und Gütern konstatieren. So kam die Idee auf, diese Materialien, ausgediente Güter und Gegenstände umzuwandeln – einen Übergang von Müll zu Kunst-vollem zu schaffen.

 

Ein interessantes – und zugleich in der ästhetischen Bildung und der Vermittlung von Kunst äußerst schwieriges – Thema war entstanden, die Vorbereitungen liefen seit Mai auf Hochtouren.

 

„Hier fühlen wir uns am wohlsten. Mitten im Plastikmüll.“ - „Darf ich auch noch Müll sortieren?“ - „Wann kann ich endlich was aus Müll machen?“ - Die Kinder.

 

„Ich bin total erschrocken, wie viele Gläser, Plastikbecher und –flaschen in einer Woche anfallen.“ - „Ich hab hier noch ein paar abstruse Dinge – können Sie die etwa auch brauchen?“ - Die Eltern.

 

Ungläubig, begeistert, fasziniert, erschreckt, mit Feuereifer starteten Kinder wie Eltern mit uns dieses Projekt. Die Werkstatt quoll über, Kisten und Kästen zur Unterscheidung des Mülls stapelten sich im Nebenraum und schlossen ein weiteres Thema an: Das Sammeln.

 

Wie sortiert man? Was und vor allem wo kann man etwas Auf-sammeln? Mit Pippi Langstrumpf und deren Sachensucher-Spiel versuchten wir unsere Großstadt-Kinder des 21. Jahrhunderts auf die Sammel-Fährte zu locken. Auf dem Schulhof, der Straße, in der Garage, dem Garten…

 

Wenn einiges an Gefundenem zusammengekommen ist, wie kann es dann sortiert und in eine Sammlung umgewandelt werden? Was ist eigentlich ein Sammelsurium?

 

Die Gruppenbilder sind Sammlungen, Häufungen, Sammelsurien…

Die Gruppenbilder: Gruppenprozesse im Lauf der vergangenen Wochen. Welche Gegenstände kommen in das Bild, wie komponiert man ein Bild. Wer hat eine Idee? Welche Texte können aufgestempelt werden? Was ist uns wichtig… Nicht immer ein einfacher Prozess den die einzelnen Gruppen durchliefen. Keine leichte Erfahrung, wenn das eigene gefundene Objekt keinen Platz im Bild findet weil es einfach nicht hineinpasst. Keine einfache Entscheidung, einiges wegzulassen, anderes hinzuzunehmen um ein Gesamtbild zu erhalten.

 

Die Kinder haben in den vergangenen Monaten gesammelt, entschieden, vieles über Wahrnehmung, Ästhetik und – ja, auch Kunst – gelernt. Sie haben sich zurück genommen und haben ihren Platz eingenommen – alleine, zu zweit, in der Gruppe.

 

Nun stellen alle acht Gruppen gemeinsam aus, aus Wertstoffen in der Kinderwerkstatt, die wir oft als „Oase“ – oder eben „Insel“ beschreiben, in der Raum und Zeit ist um zu probieren, versuchen, experimentieren, aber auch um zu lernen, sich zu entwickeln und zu wachsen.

 

Die Einzel- / Gemeinschafts- / Gruppenobjekte sind ein Bild für die Arbeit in der Kinderwerkstatt, die handwerkliches und soziales Lernen im Rahmen der ästhetischen Erziehung vereint.

 

Darum eine solche Ausstellung in der Kinderwerkstatt.